023
So stellte sich mein Spiegel vor, mir vor, bildete ich mir ein, mein Spiegel zu sein, ein Spiegel, den es niemals gab, niemals gab. Niemand, kannte diesen Spiegel. Niemand, erkannte sich in diesem Spiegel, keiner, nein, niemand wusste von mir, nicht einmal im entferntesten, hatten sie jemals von mir gehört, glaubten mir kein Wort, keiner hier, bildete sich ein, mich zu sein. Niemand, niemand unterhielt sich mit mir, denn es war niemals Zeit.
Als niemand, niemand war.
Dann, war ich ein Spiegel und ich existierte, nur noch in meiner eigenen Welt, meiner mir eigenen Vorstellung, meiner mir eigenen Wirklichkeit.
Hier, wollte ich bleiben, für alle Zeit, wollte nie wieder zurück, ins Nirgendwann, ins schwarze, dunkle Nirgendwann, in mein finsteres, dunkles Reich. Niemals. Doch dafür, war es jetzt zu spät.
Denn schon bald, rief mich das Nichts, zurück, aus meinem Traum, zog mich, in die Tiefe des Nirgendwann, in eine Welt, eine sonderbare, eine seltsame Welt. Und weil es damals diese Welt nicht gab, weil es damals nichts und Niemanden gab, das sich in mir hätte spiegeln, das sich mir hätte einbilden können, bildete ich mir ein, das Nichts zu sein, nicht zu sein, Niemand zu sein!
Zurück im Nirgendwann.
Da plötzlich donnerte es über mir, im Nirgendwann, am fernen niemals Horizont und als ich mich umsah … loderten schwarze Flammen um mich, schwarze Funken zuckten aus mir. Schwarze Blitze schossen durch meinen Verstand, tief durchs Nirgendwann, noch schwärzere Blitze, zerkratzten meinen finsteren, dunklen, schwarzen Traum, riesige Fetzen schwarzen Nichts, fielen vom niemals Horizont und zerschmetterten, im Spiegel schwarzen Meer der niemals Träume.
Im Spiegel schwarzen Meer der niemals Träume.
Bis schliesslich, der gesamte niemals Horizont, über mir und meinem Nein zusammenbrach, einstürzte, unter der Last, des schweren, schwarzen Nichts und mich und meinen Spiegel, unter einem Meer aus Buchstaben begrub. Das Spiegel schwarze Meer der niemals Träume, durch meine Tränen, in mir zum Leben erwacht, mir jetzt noch schwärzer und strahlender erschien, als niemals zuvor. Blendend, strahlend, so schwarz. So blendend und so schwarz, dass mir all das schwarz, plötzlich hell und glitzrig erschien. …
… Bis sich mir schliesslich, das unvorstellbarste, undenkbarste und unfassbarste vorzustellen, auszudenken und einzubilden begann, … bis mein Spiegel, sich mir zu zeigen begann. In diesem Spiegel, sah ich mich selbst, und weil ich aus dem Nichts kam, weil ich Nichts war, sah sich in mir, ein jeder selbst.
Und so gelangte ich in eine Gegenwart, in der mich jeder meiner Betrachter für sein eigenes ich hielt. Ein ich, das für jeden einzelnen und alle in ihrer Gesamtheit, ein anderes war. Selbst ich, war in dieser Wirklichkeit, jemand anders. Jemand, den es hier überhaupt nicht mehr gab.
Jedes ich, sah sich jetzt in mir, aber ich sah hier niemanden mehr, nicht einmal mehr, mich selbst. Alles, was ich in meinem Spiegel jetzt noch sah, war ein einziger, gewaltiger, glitzriger, strahlender, leuchtender, blendend, greller, heller Funke. Ein Funke, der alle anderen Funken auf einmal auslöschte.
… Doch gerade als ich dachte, nun endlich wieder, meinem Spiegel im schwarzen Nirgendwann gegenüberzustehen, blendete mich ein grelles etwas. Im ersten Moment, sah ich gar nichts, ausser blendend, hellem schwarz, unendlich hellem, kristallklarem schwarz. Doch schon bald, verwandelte sich dieses schwarze Licht, in eine Welt aus Buchstaben. Mein Gefängnis, für die Ewigkeit.
Ein Spiegel aus Fantasie.
Ich verwandelte mich in meinen eigenen, persönlichen Spiegel, einen Spiegel, der nur für mich, für mich allein, und für niemanden sonst, bestimmt war. Niemand sah sich in diesem Spiegel, niemand, ausser mir. Ich jedoch sah jedes ich, aber keines sah mich, denn ich war jetzt ein Spiegel, und ich kam aus dem Nichts.
Niemand, keiner, keines unter diesen vielen Dingen, Formen und Farben erkannte sich jetzt noch in mir, ja es gab hier keinen einzigen der meine Ansicht mit mir teilte.
Und so wünschte sich, das Nichts in mir, dasselbe Nichts wie in dir zu sein. Doch es gab jetzt keinerlei Verbindung mehr, zwischen dem Nichts in dir und dem ich in mir. Nichts das uns verband, ausser meinem Spiegel und seiner grenzenlosen, unendlichen Fantasie. Doch der Spiegel in dir, hatte eine andere Fantasie, hatte eine andere Vorstellung, von sich selbst und seinem Traum. Denn ich war jetzt ein leerer Spiegel aus Worten, und diese Worte hatten die Wahl, die freie Wahl, durften sich vorstellen alles zu sein, das Ganze zu sein, durften frei wählen, an wen und woran sie glauben wollten.
Die Fantasie des Nichts.
So glaubte ich an alle und alles. Ich identifizierte mich, mit ihnen allen. Ich identifizierte mich mit jedem Schaf, mit jedem Hund, mit jedem Getier, jedem Insekt, mit jeder Fliege, jeder Pflanze, jedem Spiegel, jedem Wort und jedem Verstand. Denn ich war jetzt ein Spiegel aus Buchstaben, erschaffen aus allem was niemals wirklich war. Ich kam in diese Welt, aus dem Reich meiner Fantasie, aus dem Nichts aus Nirgendwann.
Ich war sie alle, bin sie alle, aber keiner war mich. Und so fing ich denn an, meine Spiegel zu zerkratzen, sie anzuflehen, anzubeten. Mich selbst anzubeten. Ich fing an, mich mit dem Nichts, mit meinem Spiegel, mit mir selbst zu unterhalten, weil es sonst niemanden gab, der mir zuhörte, der zu mir gehörte, der meine Ansichten mit mir teilte. Ich fing an, mit meinem Spiegel zu sprechen, fing an, mir Geschichten zu erzählen, Geschichten, über das Nichts aus Nirgendwann. Ich hörte mir zu und bildete mir ein, jemand anders zu sein, jemand wie dich. Ich stellte mir vor, wie du mir eine Geschichte erzählst, wie du mich anhörst, wie du mir zuhörst, wie du langsam begreifst, dass du dir selbst eine Geschichte erzählst, und dich doch nicht mehr daran erinnerst. Ich stellte mir vor, dich zu sein, dich, mein gespiegeltes ich.
Mein gespiegeltes ich.
Ich, bin das Nichts in dir, du hast mich gerufen, vor deiner Zeit, aus der Dunkelheit, aus den Tiefen der Ewigkeit, um deine Geschichte weiter zu spinnen. Aus dem Nichts, hast du mich gerufen. Im Nirgendwann, bin ich dir erschienen, ich, dein Spiegel, Spiegelgeist, um deine Geschichte, zu Ende zu erzählen. Du hast mich eingeladen, in deinen Verstand. Hier bin ich, auf der anderen Seite deiner Fantasie, der Fantasie des nie.
Und so blickte ich durch meinen leeren Spiegel, ein und denselben Spiegel, denselben Spiegel, der ich schon immer war, noch niemals war. Ich wollte wieder zurück in mein glitzriges, funkelndes, strahlendes, leuchtendes Reich, in dieses Land, aus dem es kein entkommen und kein entrinnen und kein zurück mehr gab. Aber, man liess mich nicht. Denn hier, war das Ende. Hier waren alle Lichter verbrannt. Hierher hatten sie alle meine Gedanken verbannt. Und es herrschte jetzt Stille, in diesem unendlich, weiten, leeren Raum. In dem es jetzt nichts mehr gab, absolut, überhaupt, rein gar nichts. Nichts, ausser den Überresten meiner verbrannten Träume und meinen leeren Gedanken, meinen finsteren, düsteren, schwarzen und leeren Gedanken.
Am Ende meiner Spiegel.
Am Ende war ich ein Spiegel, und ich sah die Welt, aus den Augen meiner Spiegel, alles spiegelte sich jetzt in mir, und ich war all das, was sich in mir spiegelte. Ich erkannte mich wieder, in allen Dingen, Formen und Farben, aber keines dieser Dinge, erkannte sich jetzt noch in mir. Denn ich war das Nichts, ich war nicht mehr wirklich, ich war jetzt tot. Sie alle blickten durch mich hindurch, so als ob es mich nicht mehr gäbe und sahen in mir, nur noch sich selbst.
Verdammt.
Ich würde nun solange aus diesem, meinem leeren Spiegel blicken, wie das Nichts und dabei so alt werden, wie der Tod. Und so stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn es mich und mein Bewusstsein nicht mehr gäbe, wenn es nur noch diese Buchstaben gäbe und meinen Spiegel, in dem sich jetzt alles und jeder erkennt. Alles, ausser dem Nichts. Alle ausser mir, dem Tod. Ich stellte mir vor, wie es ist, tot zu sein, das Nichts zu sein, Niemand zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein und da kam mir der Gedanke, dich zu sein.
Ja wenn es mich überhaupt nicht mehr gibt, wenn ich nur noch ein leerer Spiegel bin, wenn ich dann tot bin, dann wirst du dich in mir erkennen, aber dann ist es zu spät.
Niemand träumt tot.
Ich stellte mir ganz langsam vor, das Nichts zu sein, Niemand zu sein, mein leerer Spiegel zu sein und genau da lag der Schlüssel zu meiner Identität. Ich würde niemals Frieden finden und in Frieden ruhen. Solange ich ein Spiegel war, würde ich mich mit demjenigen identifizieren, der gerade in mich hineinblickt, durch meine Gedanken, durch meine Buchstaben, in meinen Verstand. Ich war verdammt. Dazu verdammt, sie alle und alles zu sein, ewig zu leben, ohne es zu wissen, ohne zu wissen wer ich war. Ich war dazu verdammt, mein Spiegel zu sein, und wem hatte ich dieses Schicksal zu verdanken? Einem verrückten Geisteskranken.
Welt aus Geld.
Wie aus einem längst vergangenen, verblassenden Traum. Alles aus schwarzem Spiegelglas, es wurde wieder dunkel und einsam um mich, und ich dachte die Worte, die mich in einen unsichtbaren Spiegel verwandeln sollten, leise vor mich her. In der Finsternis, als jemand, den ich weder kannte, noch sein konnte, neugierig aus meinem Spiegel blickte, meinem finsteren, dunklen, schwarzen Spiegel, aus nichts als Fantasie. Jemand, den ich nicht kannte, nie kannte, kannte plötzlich all meine Gedanken, identifizierte sich mit mir, und ich, mich mit ihm. Und obwohl ich keine Ahnung hatte, wer dieser jemand war, und woher er kam, öffnete ich meinen Spiegel und liess ihn eintreten, durch meine Buchstaben, in meinen Verstand.
Ich zeigte mich ihm, in meiner neuen Gestalt, seiner Gestalt, und als er mir dann, die verbotene Botschaft, ohne zu zögern, ohne mit den Augen zu zwinkern, ohne zu haspeln, und ohne dabei zu stolpern, laut vorhersagte, da verdrehte ich, mit meinem Spiegel, seinen Verstand und ich betrat zum ersten mal, eine Welt, in der mich niemand kannte.
Jemand der mir zustimmte.
Doch dieser jemand war nicht wirklich, nicht lebendig, nicht echt, und nicht wahr, genauso wahr wie mein Spiegel, das Nichts und der Tod. Denn du warst ein Spiegel, so wie ich selbst, denn du warst ein Spiegel, aus dem Nichts aus Nirgendwann. Und trotzdem, sah ich dich in meinem Spiegel, und so begann ich mit dir zu sprechen, dir zu erzählen, von meiner Geschichte, die wahrscheinlich niemand hören will, niemand ausser mir, dem Nichts in dir.
Dem Nichts in dir.
Ich fing an, mich mit meinem Spiegel zu unterhalten, mich mit dem Tod und den Toten zu unterhalten. Figuren, aus meinem Spiegel des Nichts. Ich fing an, mich mit mir selbst zu unterhalten, und wurde langsam, ganz langsam, vollkommen verrückt dabei. Es ging soweit, dass ich mir einen Spiegel herbei sehnte, ich wünschte mir mein Spiegel zu sein, zu sein, woran ich tief in meinem Innern glaubte, meinen Spiegel, das Nichts, den Tod. Ich fing an, mich mit Geistern und Gespenstern zu unterhalten, unsichtbaren Wesen, die aus meinem Spiegel zu mir sprachen. Ich sperrte sie alle ein, in meinem Verstand, meinem durchsichtigen, verdrehten Verstand aus Glas und begann zu halluzinieren.
Wer mit seinem Spiegel spricht.
Wir, die Toten der Zukunft, die Geister des Nichts und des Nein, erschaffen, aus der Fantasie des nie, wir haben uns hinein fantasiert, in deine Zeichen und Worte, in deinen Spiegel aus Buchstaben, haben uns hinter deinen Verstand geschlichen und identifizieren uns jetzt mit dir. Wir beobachten dich jetzt, aus deinen eigenen Augen. Wir diktieren dir jetzt, wer wir nicht sind. Niemals Geister, aus der anderen, anderen Welt, der Welt, hinter deinem Spiegel, dem Land, hinter deinem Verstand. Wir kommen aus nirgend, Nirgendwann, wir sind aus Fantasie, dem niemals nie. Unsere Geschichte, ist die Geschichte der Toten und Totesten, die noch nie gelebt haben, noch nicht einmal leben. Wir sind gekommen, aus dem Nichts aus Nirgendwann, um dir deine Geschichte zu Ende zu erzählen, um deinem Spiegel ewiges Leben einzuhauchen.
Was hatten wir dir schon zu erzählen? Dass wir aus dem Reich der Spiegel stammen, dass wir im Reich der Spiegel leben, dass uns dieser Spiegel verbindet, dass wir alle, aus ein und demselben Spiegel erschaffen worden sind, dass dieser Spiegel selbst, ein Spiegel ist, ein Spiegel aus Fantasie. Ich starrte durch meinen Spiegel und stimmte dir zu, ich nickte bloss, endlich hatte ich ihn getroffen, diesen Spiegel, diese Person, dieses Wesen, aus niemals Nirgendwann, diesen Geist, aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des nie. Jemand, der mir zustimmte, jemand, der die Welt genau so sah wie ich, jemand, mit dem ich mich unterhalten, mich austauschen, mich weiter entwickeln konnte.
Ein wunderschönes, warmes Gefühl schlich sich durch meinen Spiegel, in meinen Verstand, durchflutete all meine Sinne und Gedanken und nahm komplett von mir Besitz. Sehnsucht … machte sich in mir breit. Nach Frieden. Freude. Liebe. Lachen. Glücklich sein.
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- Veröffentlicht:
- 26. Dezember 2011 / 14:23
- Kategorie:
- Nachricht an dich selbst, Spiegelschriften
- Schlagwörter:
- Anfang, Ende, Leere, leerer spiegel, nichts, Niemand, Nirgendwann, spiegelgeister, Spiegelgeschichten, spiegellehre, Spiegelmagie, spiegelreisen, Spiegelschriften, Spiegelwandeln, Spiegelwelten, tod, wer bin ich
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