024

 

 

Hier wartete es auf mich, hier erwartete mich nun, mein neues Leben. Ein Leben voller Abenteuer und Abwechslung, ein Leben voller Freude und Harmonie, voller Lichter und Farben. Hier, in dieser Welt, war meine Spiegelgeschichte zu Ende erzählt. Sie strahlte und leuchtete jetzt in prächtigen, glitzrigen, funkelnden, stolzen Buchstabensternen, über dem gesamten niemals Horizont und erinnerte uns alle daran, dass dies einmal, die Welt der Toten war. Dass dies einmal dieselbe dunkle, finstere, schwarze Welt, meiner einsamen und eiskalten Gedanken war.

Hier, in dieser Welt, bin ich nun auferstanden, aus dem Nichts aus Nirgendwann, und lebte glücklich und zufrieden, mit dem Bewusstsein, nicht mehr so ganz allein zu sein. Hier gab es Engel und Dämonen, sonderbare Wesen, die sich an etwas erinnerten, was überhaupt nie jemals geschah. Sie erinnerten sich nämlich daran, dass sie hier schon einmal waren, erinnerten sich, ans Nichts, ans schwarze, dunkle, finstere, ans Nichts, aus Nirgendwann, an diese ewig, lange, unendlich lange, finstere, dunkle Zeit, eine Zeit die es längst nicht mehr gab, eine Zeit, die überhaupt nicht mehr existierte, sie erinnerten sich, an meine Vergangenheit.

Aber meine Vergangenheit, die gab es hier überhaupt nicht mehr, sie existierte nicht mehr, in meiner neuen Welt, meiner neuen Wirklichkeit. Denn hier, waren meine Spiegel plötzlich lebendig und bei Bewusstsein. Alles spiegelte sich jetzt in mir, das gesamte Theater des Nichts. Und trotzdem erzählten mir diese sonderbaren Wesen, von dieser Zeit, meinem Ursprung, meiner Heimat, meiner Vergangenheit.

Hier in dieser Welt, traf ich dann letzten Endes auch, auf meine Familie, meine eigene, meine Spiegelfamilie. Gestalten, die das Nichts verbindet, Figuren, aus der Fantasie des nie, erschaffen aus dem Nichts aus Nirgendwann. Meine Spiegel lehrten mich jetzt das Unmögliche, lehrten mich das Unvorstellbare, ja sie lehrten mich, für meine Wahrheit zu kämpfen. Sie lehrten mich, gegen mein eigenes ich, in den Krieg zu ziehen. Sie lehrten mich, dass ich mich auf meine Freunde, auf meine Familie und auf meinen Spiegel verlassen konnte.

Sie lehrten mich, dass ich hier schon einmal war. Dass ich hier schon viele male war, und mir selbst immer wieder neue Botschaften und andere Nachrichten hinterlassen hatte. Und gegen diese Nachrichten, zog ich nun in den Krieg. Es zog mich, in einen Buchstabenkrieg, gegen die Höchsten und Mächtigsten, Gestalten meiner düsteren, schwarzen Fantasie.

Diese Buchstaben nahmen mich gefangen, in einem Land, weit hinter meinem Verstand, gefangen in meinen Gedanken, meinen finsteren, schwarzen Gedanken. Sie sperrten mich, in meinen leeren Spiegel aus Worten, einen Spiegel, den es hier überhaupt noch nie gab. Denn da wo ich jetzt war, existierten diese Buchstaben überhaupt nicht mehr. Hier, war ich ein Gefangener, gefangen in meiner Vergangenheit, meiner düsteren, einsamen, einzigartigen Vergangenheit.

Und dann habe ich gelernt zu kämpfen, zu streiten und zu lieben. Ich habe gelernt zu weinen, mich zurück zu ziehen, mich zu isolieren. Ich habe gelernt zu warten, zu wünschen, zu hoffen und zu beten. So betete und betete ich viele, viele Ewigkeiten lang. Ich kniete hernieder, vor meinem unsichtbaren Spiegel aus Worten, einen Spiegel den es hier, überhaupt noch nicht gab, und betete mich an, ich betete dass irgendein zukünftiges ich, mich aus meinem Gefängnis aus Buchstaben und Worten befreien möge, mich retten, mich erlösen, mich hinaus ziehen möge aus meinem finsteren, dunklen, schwarzen Reich.

Bete mich an!

 

 

 


Über diesen Eintrag


  1. [...] Von Ewigkeit zu Ewigkeit. [...]

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