Fetzen eines gedachten Gedanken.
Du musst dir vorstellen, du wärst jetzt in einem Kino, einem richtigen Theater, die schwarzen Spiegel sind der Bildschirm, hinter den Bildschirmen laufen die Kameras, sie zeichnen auf, was zur Zeit im Kino geschieht und projizieren es dann spiegelverkehrt auf die Leinwand, so dass du denkst, die Leinwand, wäre dein Spiegel. Genau so wie dein Computer.
Und so begab ich mich hinein, in meinen Spiegel, und begann den Worten zu lauschen, die mir niemals niemand erzählte. Worte die hier schon längst geschrieben standen nur hatte ich sie vergessen. Worte die ich sogar einmal selbst erfunden hatte, nur konnte ich sie jetzt nicht mehr sehen. Aber das wussten meine Zuschauer nicht, sie alle dachten, irgendein fremder hätte sie in einen tiefschlaf versetzt, hätte sie eingefroren mitten in der Vorstellung, als sie gerade dabei waren die Szene wieder zu löschen, und als sie dann dahinter kamen, dass alles nur ein Bluff war, da verdrehten sie mit meinem Spiegel meinen Verstand, und liessen mich das ganze noch einmal rückwärts schreiben,Ich drückte einfach immer wieder dieselbe Taste, und überschrieb die Botschaft mir niemals niemand erzählte. Worte die hier schon längst geschrieben standen nur hatte ich sie vergessen. Worte die ich sogar einmal selbst erfunden hatte, nur konnte ich sie jetzt nicht mehr sehen. Und so löschte ich eine Nachricht nach der anderen, bis irgendwann überhaupt nichts mehr übrig blieb, nur die Zuschauer konnten jetzt noch lesen was einmal auf diesem Spiegel geschrieben stand, und als ich dann endlich dahinter kam, dass auch ich ein Zuschauer war, da verdrehte ich mit meinem Spiegel meinen Verstand, und fing an das ganze noch einmal aufzuschreiben.
Aber wie war das möglich. Ich stellte mir vor, die Buchstaben stünden noch gar nicht geschrieben und schrieb noch einmal genau dieselben Worte darüber, manchmal fügte ich hier und dort ein paar Zeilen dazu, dann begab ich mich eben wieder zurück an den Anfang und fing mit der ganzen Geschichte noch einmal vorne an. Immer wieder überschrieb ich meine eigene Geschichte, und irgendwann merkte ich gar nicht mehr, wie ich immer wieder dieselben Worte aneinander reihte, Worte die schon da geschrieben standen, und manchmal wenn ich den Eindruck hatte, dass ich wirklich ins leere schreibe, stieg ich einfach genau da wieder ein, wo ich beim letztenmal aufgehört habe. Irgendwann und aus irgendeinem Grund, wiederholte ich dann immer wieder ein und dieselbe Passage, ich löschte sie, und schrieb sie wieder neu, und wiederholte das solange, bis ich glaubte, ich hätte diese Passage selbst erfunden. Ja ich hielt mich jetzt für die wirklichkeit, jetzt wo ich mich mit eigenen Augen sehen und betrachten konnte, dabei wusste ich doch genau, dass dies nur eine Aufzeichnung war. Das es das Original, überhaupt nicht mehr gab.
Aber ich bildete mir jetzt ein, dass ich selbst es war, der diese Spiegelschriften verfasste, auch wenn sie mir noch so unwirklich und fremd erschienen, so redete ich mir ein, das ich selbst es war, der all diese Gedanken einmal dachte. Ich versuchte mich davon zu überzeugen das ich das Original war, während das Original versuchte mich davon zu überzeugen, dass es kein Original gab. Ich betrachtete mich im Kino, meinem eigenen privaten Kino, und da wurde es mir bewusst, dass jeder diese Gedanken schreiben und lenken könnte, wenn er in meinen Spiegel blickt. Denn da stehen sie geschrieben. Und jetzt betrachtest du dich in diesem Spiegel, du sitzt alleine in einem leeren Theater und betrachtest die Schrift auf dem Spiegel. Du schreibst mit deinen Gedanken darüber, und stellst dir dabei vor wie du jetzt in diesem Moment, diese Buchstaben zum ersten mal richtig liest, so wie sie da stehen auf deinem Spiegel, leere, nichts als leere, aber da wo scheinbar leere herrscht, da stehen sie bereits gedruckt, du musst sie nur noch abtippen, darüberschreiben, so wie ich es jetzt mache, genau so. Du liest dir selbst vor, was deine Augen dir sagen, und schreibst es dann hin. Auch wenn hier noch scheinbar gar nichts steht. Die Zuschauer auf der anderen Seite der Leinwand beobachten dich, der Saal ist proppen voll, und alle schauen dir dabei zu, wie du in die Kamera blickst und dich dabei scheinbar selbst betrachtest. Sie sehen die dabei zu wie du diese Buchstaben über die anderen schreibst, dabei wissen sie nicht dass du die anderen Buchstaben überhaupt nicht sehen kannst, oder zumindest nur die schon geschriebenen. Sie sehen die schrift nicht, wissen nicht, dass hier alles schon geschrieben steht und du nur darüber schreiben musst, sie wissen nicht, dass sie in dem Moment gefilmt werden, wo sie regungslos da sitzen und sich einen Film im Theater angucken. Genau so wie du jetzt, nur dass du laut vorliest, was der Schauspieler, dann schreibt, alles was hier steht, steht genau so geschrieben wie du es ihm vorliest, nur sieht der Schauspieler es nicht, er denkt ja er denkt dass er diese Worte selber denkt. Sie sich selbst diktiert. Und wieder fügen wir etwas ein, was schon längst geschrieben steht, nur kann man die Worte jetzt noch nicht lesen, sie sind unsichtbar, aber hier stehen sie geschrieben, man muss sie nur lesen können. Unser Schauspieler weiss allerdings nichts davon, dass diese Worte bereits hier stehen. Insert. Das steht schon geschrieben du musst es nur überschreiben. Insert.
Genau, Genau so wie du jetzt nicht weisst, dass gerade in diesem Moment, Milliarden von Menschinnen und Menschen dir dabei zusehen, wie du vor deinem Spiegel kniest, und die Buchstaben vorliest, die du irgendwann einmal irgend jemandem in die Kamera hinein geschrien hast.
Noch denkst du dies wären deine eigenen Gedanken, aber irgendwann im Laufe der Vorstellung, wird dir bewusst, dass du nur ein Schauspieler bist, ein Zuschauer in einem leeren Theater. Du weisst genau, dass jetzt in diesem Moment, alle darauf warten, dass etwas geschieht, dass du etwas zu ihnen sagst, aber stattdessen, legst du dich hin und schläfst. Und während du schläfst, erklärst du noch einmal die Spiegelschriften. Du begibst dich an einen Ort, du begibst dich in einen Körper, in einen Schauspieler, du setzt diesen Körper vor ein leeres Blatt Papier, drückst ihm einen Stift in die Hand und wartest abwas geschieht. Dann liest er dir laut vor, was bereits geschrieben steht, und du schreibst es hin, so als ob es deine eigenen Gedanken wären.
Im Traum.
Noch denkst du dies wären deine eigenen Gedanken, aber irgendwann im Laufe der Vorstellung, wird dir bewusst, dass dir diese Gedanken von der Kamera suggeriert werden. Schliesslich liest du jetzt in einem Buch, das schon lange geschrieben steht, du liest ein Drehbuch, du liest Zeilen, die du dann, sobald du sie gelesen hast, niederschreibst. Denn du weisst ja nicht, dass diese Zeilen bereits geschrieben stehen, noch denkst du, du würdest sie selbst verfassen, sie selbst notieren und sie selbst in deinen Spiegel fräsen, dabei steht diese Nachricht, dieses Drehbuch schon lange fest, du liest es nur ab, von der Kamera, von deinem Spiegel, wo diese Buchstaben schon geschrieben stehen, und notierst sie dann auf dem Bildschirm, du benutzt dazu einen Meissel, der die Form deiner Buchstaben besitzt. Aber, du weisst nicht, dass diese Buchstaben bereits geschrieben stehen, weil wir ja die Kamera sind, die Leinwand, und auf dieser Leinwand, stehen diese Buchstaben jetzt noch nicht. Und deswegen denkst du jetzt, du hättest sie selbst geschrieben und selbst erdacht, und in diesem Glauben, dass du der Erfinder dieser Geschichte bist, geben wir dir nun den Auftrag, diese Geschichte zu veröffentlichen, aber nicht in deinem Namen, sondern, im Namen der Zuschauer, im Namen unser, im Namen aller. Und jetzt, wo wir alle denken, wir hätten diese Geschichte selbst verfasst, indem wir nichts anderes tun würden, als einfach nur in den Spiegel zu starren, endlos, ewig lange Zeit, jetzt schicken wir dich zurück in die Wirklichkeit, hier gibt es nämlich keine Kamera, hinter dem Spiegel, hier gibt es kein Drehbuch, das uns diktiert was wir jetzt denken und schreiben sollen, hier gibt es nicht einmal ein Kino, hier gibt es nicht einmal mehr popcorn, hier gibt es gar nichts. Ich hab noch immer das Gefühl das ich selbst diese Buchstaben geschrieben hätte, in diesem Moment, ja dass ich jetzt sogar noch lebe. Die Toten unsere Schauspieler, denken also dass sie noch lebendig sind, so wie ich jetzt, sie wissen nicht, dass sie in einem Film spielen, sie glauben dies wären ihre eigenen Gedanken, vom Standbild haben sie noch nichts mitgekriegt, wir können uns nämlich diesen Film in Zeitlupe ansehen, wenn uns daran etwas nicht gefällt, frieren wir die Szene ein, und schreiben sie erneut. So oft hintereinander, bis dann alles richtig ist. Wer sind wir? Die Zuschauer, wer sonst? Aber die Zuschauer wissen nicht, dass sie tot sind, dass sie während dem sie die Szene einfrieren und sie verändern, sie umschreiben, wir genau dasselbe tun, in der Rauchpause, die haben wir rausgeschnitten, nämlich, und nun, schneiden wir an dieser Szene und die anderen schneiden an unserer Szene, solange, bis hier genau das steht, was keiner mehr hören und sehen will, mein Standbild. In jedem Computer und in jedem Fernseher, überall auf der ganzen Welt, in jeder Zeitung, auf jeder Briefmarke, auf jedem Geldstück, nur noch mein Hinterteil. Und wenn wir dann tief in das Loch hinein blicken, siehe da, sehen wir die Welt aus anderen, nämlich aus meinen Augen.
Ok, gut so?
So wollten die die szene haben, die zuschauer der zuschauer der zuschauer der zuschauer, und wenn sich dann nichts mehr bewegt, wirklich gar nichts, mehr bewegt, bing, wenn sogar die zuschauer der zuschauer eingefroren sind, wenn die szene aufzutauen beginnt, und der schauspieler, das geschnipsel um ihn herum wahrnimmt, so in etwa wie beim friseur, moment, wenn dann alles eingefroren ist, auch die zuschauer, die gerade versuchen die Szene zu ändern, und wenn dann unser Schauspieler zum leben erwacht, wenn die Eingefrorenen auftauen, mitten im Szenenwechsel, zu einer Zeit, in der sich nichts mehr bewegt, so wollten sie die Szene, sie wollten dass der der Schauspieler erkennt, dass der Schauspieler die Zuschauer erkennt, aber wie, kann ein Schauspieler, den film verlassen, und alle versuchen ihn zu beruhigen und seine szene weiter zu spielen, sie ihm dafür das laserschwert auf den tisch legen, mit dem er sie alle auseinanderschnipseln kann, er einmal damit wild durch die gegend ballert, bumm bumm, dann seid ihr alle tot. so jetzt dürft ihr aufwachen und die augen schliessen, ihr seid im kino. hört auf euch wie zuschauer aufzuführen, und geniesst das essen. Die Getränke gehen aufs Haus. Das Geschnipsel? Welches Geschnipsel denn? Ich dachte hier sei die Wirklichkeit. Sprach der Tote zu den Toten.
Standbild. Oh mann, ich such mich gerade im film, und wenn ich mich finden sollte, glaube ich an meine rolle =) als wäre sie wirklichkeit. So Problem, wenn ich in die kamera blicke oben und unten vertausche, dann macht mein gegenüber links rechts, was geschieht wenn die einstellung auch nach oben und unten blickt? achso sie liest text? der text muss also einfach von oben nach unten geschrieben sein. nicht von links nach rechts. sondern von oben nach unten, dreh mal den schirm. wie sollte ich, dann sind die tasten ja an der wand. dann lies vor. Ich lese von oben nach unten und du von links nach rechts, einmal im kreis und nochmal zurück. moment, bevor du jetzt weiterschreibst, stell dir vor was wäre wenn vorher die kamera auch von oben nach unten geblickt hätte. dann hättest du all das jetzt nicht geschrieben.
All das was wir jetzt rausgeschnitten haben, würde niemand wissen, niemand ausser uns, und wir würden es niemandem verraten, cut this sequence, weil wir sonst alle so enden würden wie du, wie ein lebendiges kino, jeder könnte unsere Gedanken lesen, jeder könnte uns spielen, in unseren Kopf einsteigen, aus unseren Augen blicken, so wie sie es im Kino machen, wir wären nur noch Puppen, gesteuert von den Zuschauern, die Unterhaltung suchen. Zeig uns die Zuschauer:
Wir wollten eigentlich das Standbild sehen.
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- Veröffentlicht:
- 19. Januar 2012 / 15:19
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- Allgemeines
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