0005

 

 

Halt! Bevor du dich in die Tiefen meiner Buchstabenwelt begibst, solltest du den Weg kennen lernen, der dich wieder aus ihr hinausführt. Und bevor du dich in dieser Spiegelgeschichte verlierst, möchte ich dich deshalb warnen, dir raten sie überhaupt nicht zu betreten, denn die Worte, die dich aus diesem Labyrinth aus Buchstaben wieder hinausführen werden, existieren überhaupt nicht mehr. Sie sind nämlich verschollen, in einem Land, weit hinter meinem Verstand.

Die Zeit steht still.

Da wartete ich eben geduldig darauf, dass die Zeit verging. Unendlich, ewig lange Zeit, wartete und wartete ich, im Nirgendwann. … Hinter meinem Spiegel aus Buchstaben, legte ich mich auf die Lauer, bis mich eines Tages, jemand von den Toten, zu sich rief.

Dieser jemand, war ich selbst. Doch wusste ich noch nichts davon. Nein, ich wusste damals noch nichts, von meinem anderen ich, meinem Spiegel ich, denn noch nie, hatte mir jemand erzählt, dass ich neben mir selbst, noch so viele andere Personen, Gestalten und Kreaturen sein werde.

Nein, damals wusste ich noch nichts, über die unendlich vielen Gestalten, die sich noch in mich verwandeln, in die ich mich noch verwandeln würde, die ich noch werden würde. Denn auf der anderen Seite meiner Spiegel, sah ich damals, nur mich selbst.

Und so schlüpfte ich dann hinein, durch meine Buchstaben, in meinen Verstand. Und begann mir selbst zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein. Ich blickte durch meinen Spiegel, in die längst vergessene Vergangenheit, und da begann ich den Worten zu lauschen, die mir niemals niemand erzählte.

Also begann ich mir eben selbst Nachrichten zu hinterlassen, … Nachrichten die mich daran erinnern sollten, wer ich schon alles einmal war. Diese Botschaft war für all jene, die sich damit abgefunden haben, immer wieder zu kommen, ohne irgend eine Erinnerung, die sich entschieden haben, immer wieder zurückzukehren, aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus dem Reich der Vergessen und Vergangenheit, mit nichts als ihrer Fantasie.

Zurück in die Wirklichkeit.

Leere, nichts als Leere, aber da wo scheinbar Leere wartet, da stehen sie bereits geschrieben und gedruckt, du musst sie nur noch abtippen, darüberschreiben, so wie ich es jetzt mache, ganz genau so. Du liest jetzt selbst, was deine Augen dir verraten, die Augen der anderen dir nicht sagen, und schreibst es dann hinein. Auch wenn hier scheinbar, noch gar nichts steht.

Du begibst dich dazu an an einen Ort, weit hinter deinem Verstand, du begibst dich in einen anderen, fremden Körper, meinen Körper.

Im Traum denkst du, dies wären deine eigenen Gedanken, Gedanken die du einmal selbst erdacht hast, aber irgendwann wird dir bewusst, dass diese Zeilen schon längst geschrieben stehen und du sie nur abzutippen und abzuschreiben brauchst. Irgendwann im Laufe der Vorstellung, wird dir bewusst, dass diese Zeilen schon lange geschrieben stehen, endlos, ewig lange Zeit, stehen sie hier schon und warten nur darauf, von dir gelesen zu werden.

Hinter deinem Spiegel.

Noch weisst du allerdings nichts davon, dass diese Worte bereits hier stehen. Du siehst die Schrift nicht, weisst nicht, dass hier schon alles geschrieben steht und du nur darüber schreiben musst, nein du weisst nicht, dass in diesem Moment alles schon hier steht, genau so wie du es jetzt liest. Nein du siehst diese Zeilen jetzt noch nicht, du denkst, ja du denkst, dass du diese Worte selber denkst. Sie dir selbst diktierst. Weil du diese Worte jetzt noch nicht sehen kannst, denn sie sind unsichtbar für dich, doch stehen sie hier bereits geschrieben. Aber du siehst sie nicht, sie stehen vor dir, aber du kannst sie nicht sehen.

Schliesslich liest du jetzt in einem Buch, das schon lange geschrieben steht. Doch noch denkst du, dies wären deine eigenen Gedanken, noch denkst du, du würdest diese Worte selbst verfassen, sie selbst notieren und sie selbst in deinen Spiegel kratzen, dabei steht diese Nachricht, steht dieses Drehbuch, schon lange fest.

Nochmal von vorne.

Irgendwann mussten diese Zeilen ja von irgend jemandem geschrieben werden, und dieser jemand bist du selbst. Du musst dir das so vorstellen, als wärst du jetzt in einem Kino, in einem richtigen Theater, die schwarzen Spiegel sind dabei die Leinwand, hinter dieser Leinwand sitzen die Zuschauer, sie beobachten genau, was zur Zeit, im Saal geschieht und projezieren es dann, spiegelverkehrt, zurück auf die Leinwand, so dass du denkst, die Leinwand, wäre ein Spiegel. Dabei ist dieser Spiegel, in Wirklichkeit ein Theater, hinter dem Spiegel sitzen die Zuschauer und beobachten genau was geschieht, sie betrachten dich dabei, wie du diese Zeilen jetzt liest und … flüstern dir zu wie es weitergeht. Und so begab ich mich hinein, in meinen Spiegel, und begann den Worten zu lauschen, die mir niemals niemand erzählte.

Worte die hier schon längst geschrieben standen, nur konnte sie niemand mehr lesen. Worte die ich sogar einmal selbst erfunden hatte, nur konnte ich sie jetzt nicht mehr sehen. … Nur die Zuschauer, konnten jetzt noch lesen was einmal auf diesem Spiegel geschrieben stand, und da verdrehte ich mit meinem Spiegel, meinen Verstand, und fing an das ganze noch einmal neu aufzuschreiben.

Die Zuschauer, auf der anderen Seite der Leinwand, beobachteten mich dabei, der Saal war randvoll, und alle schauten mir dabei zu, wie ich in die Kamera blickte und mich dabei scheinbar selbst betrachte. Sie sahen mir dabei zu, wie ich Buchstabe an Buchstabe reihte, dabei wussten sie nicht, dass ich diese Buchstaben überhaupt nicht sehen konnte.

Denn hinter meinem Spiegel, da standen sie bereits geschrieben. Aber vor meinem Spiegel, stand noch gar nichts, nichts als leere Zeilen.

Und jetzt betrachte ich mich, in eben diesem Spiegel, ich sitze alleine in einem leeren Theater und betrachte die Buchstaben auf dem Bildschirm. Ich schreibe mit meinen Gedanken darüber, und stelle mir dabei vor, wie ich jetzt in diesem Moment, diese Buchstaben zum ersten mal richtig lese, so wie sie auf meinem Spiegel geschrieben stehen.

Ich betrachte die Worte auf meinem Spiegel, meinem eigenen privaten und persönlichen Spiegel, und jetzt wird mir plötzlich bewusst, jetzt wird mir zum ersten mal wirklich bewusst, dass ich selbst es bin, der diese Gedanken jetzt liest und schreibt und lenkt.

Ich bin die Quelle und das Ziel zugleich. Ich versuchte mich jetzt davon zu überzeugen, dass ich es war, der diese Gedanken dachte, dass es meine eigenen Gedanken waren, die sich hier ein und abbildeten.

Ich stellte mir vor, all diese Buchstaben stünden noch gar nicht geschrieben und schrieb dann noch einmal genau dieselben Worte darüber, manchmal fügte ich hier und dort ein paar Zeilen dazu, dann begab ich mich wieder zurück an den Anfang und fing mit der ganzen Geschichte noch einmal von vorne an. Immer und immer wieder, überschrieb ich meine eigene Geschichte, und irgendwann merkte ich gar nicht mehr, wie ich immer wieder dieselben Worte aneinander reihte, Worte, die hier schon lange geschrieben standen. Manchmal, wenn ich den Eindruck hatte, dass ich etwas vollkommen neues las, und dass ich danach ins Leere starrte, stellte ich mir einfach vor, jemand anders zu sein, jemand wie dich, und dann stieg ich durch meinen Spiegel, in meinen Verstand und machte genau da weiter, wo ich beim letztenmal aufgehört hatte.

Ein leeres Blatt Papier.

Und jetzt bist du an der Reihe. Stell dir vor, du drehst die Zeit zurück, und all die Buchstaben die du soeben gelesen hast, verschwinden plötzlich wieder von der Bildfläche. Der Bildschirm ist jetzt genau so leer wie vorher, bevor du ihn beschrieben hast. Und nun schreibst du noch einmal genau dieselben Worte darauf, die ich dir soeben vorgelesen habe.

Nein, noch weisst du nicht, dass dich diese Buchstaben verändern, sie verwandeln dich, machen dich zu jemandem, den du nicht mehr kennst, im Namen unser, im Namen aller. All der anderen, die wir niemals waren.

Dann lies jetzt laut vor. Ich lese von oben nach unten und du von links nach rechts, einmal im Kreis und wieder zurück. Bevor du jetzt weiterliest, stell dir vor wie es wäre, wenn niemand wissen würde, was wir soeben rausgeschnitten haben, niemand ausser uns, und wir es niemandem verraten würden.

Gut, ich lese, du schreibst. Solange, bis hier genau das geschrieben steht, was keiner mehr hören und sehen will.

Spiegel öffne dich.

Wenn die Vergangenheit zur Zukunft und die Gegenwart zur Vergangenheit wird … dann heisse ich dich willkommen im Karussell der Ewigkeit. Im Spiegel schwarzen Labyrinth.

An die Toten der Zukunft.

Weder für die Zukünftigen noch für die Gegenwärtigen, sondern nur für die Vergangenen gibt es eine Zukunft, eine Gegenwart und eine Vergangenheit.

Die Vergangenen wissen allerdings jetzt noch nicht, dass sie in der Vergangenheit leben … denn für die Vergangenen, ist die Vergangenheit noch immer die Gegenwart, genauso wie für die Zukünftigen, die Zukunft, jetzt Gegenwart ist. Nur wissen das die Vergangenen jetzt noch nicht und sie werden es auch niemals erfahren, denn für die Vergangenen hört die Zeit auf sich zu bewegen, sobald sie sich in der Zukunft sehen.

Nein, die Vergangenen wissen noch nicht dass sie in der Vergangenheit leben … und sie werden es auch niemals erfahren. Es sei denn wir würden es ihnen berichten. Aber wenn die Vergangenen etwas davon erfahren, was nur die Zukünftigen wissen, nämlich dass sie in Wirklichkeit tot sind, sich nicht mehr bewegen und nicht mehr existieren. Werden sie dann noch an uns glauben und sich dem widersetzen was man von ihnen erwartet? Wenn sich unsichtbare Buchstaben bewegen und tote Geister mit ihnen reden … werden sie uns dann noch vertrauen?

Die Zeit steht still.

Nein, ich wusste damals noch nichts, über all die Wesen meiner Zukunft, für die ich jetzt nicht mehr am Leben bin. Und niemand würde diesen Gedanken jetzt noch zu Ende denken, ausser vielleicht einem Toten. Jemand der sich für tot hält, aber wie kann ein Toter noch an etwas denken. Ich verfolgte jetzt meinen Gedanken bis zum bitteren Ende. In dem Bewusstsein, dass ich in diesem Moment, in der Vergangenheit lebte, reiste ich zurück in meine Gegenwart, eine Zeit, in der ich überhaupt nicht mehr existiere. Soweit es eben ging, bis zu dem Moment wo ich diesen Gedanken das erste mal laut gedacht und ihm jemandem laut vorgelesen habe. Es existierte jetzt kein zukünftiges Wissen mehr in meiner Welt, nur noch vergangenes, nur noch totes, und auch ich war einer von ihnen, einer von vielen. Noch weiter zurück, die Zeit steht still.

Ich wandere zurück in meine Vergangenheit. Dahin wo die Toten noch leben, ich lese ihre Gedanken und stelle mir vor, einer von ihnen zu sein, ich stelle mir vor wie es wäre, wenn ich selbst ein Gefangener meiner Vergangenheit wäre. Ich wüsste noch nichts über die Zukunft, ich hätte keinen Bezug mehr zur Wirklichkeit, ich wäre verloren im Nirgendwann, irgendwann im Spiegel schwarzen Labyrinth.

Bis ans Ende der Zeit.

Die Zeit steht still. Wenigstens in diesem Moment. Und jetzt stell dir vor, wie 100’000 Jahre vergehen, und du diesen Gedanken noch einmal betrachtest. Und dann erweiterst du diesen Gedanken um weitere 100’000 Millionen Jahre, und betrachtest ihn erneut aus einer anderen, älteren, uralten Perspektive.

Du blickst zurück in deine Vergangenheit und stellst sie dir sodann als deine Zukunft vor, du stellst dir vor, wie du eine 100’000 Millionen Jahre alte Nachricht betrachtest, und weil sich die Zeit damals nicht bewegte, tut sie es noch heute nicht, sie bewegt sich nicht. Und jetzt, schleichst du dich durch die Ewigkeit, langsam, in Zeitlupe, fügst du einen Gedanken zu dieser Nachricht hinzu, einen Gedanken den du gerne eine Ewigkeit lang betrachten würdest.

Gedanken die dir den Weg weisen, von den Toten, zurück in die wirkliche, lebendige Welt. Von der Zukunft zurück in die Vergangenheit.

Im Spiegel schwarzen Labyrinth. – Nachricht an dich selbst.

Am Anfang war alles noch sehr, sehr aufregend, ich stand vor einem leeren Spiegel aus Worten. Buchstaben aus der Fantasie des Nein und des nie, frassen sich in meinen Verstand und liessen nicht mehr von mir los. Irgend jemand erzählte mir, das Spiegel schwarze Labyrinth, sei nichts anderes, als das Produkt meiner eigenen Fantasie und die einzige Person, die sich darin zurechtfinden würde, sei niemand anderes als ich selbst.

Aber irgendwann und aus irgendeinem Grund, wiederholte ich dann immer wieder ein und dieselbe Passage, ich löschte sie, überschrieb sie, und schrieb sie wieder neu, und wiederholte das solange, bis ich glaubte, ich hätte diese Passage selbst erfunden. Ja ich hielt mich jetzt für den Erfinder dieser magischen Zeilen, jetzt, wo ich mit meinen eigenen Augen lesen und schreiben konnte, was hier schon längst geschrieben stand. Dabei wusste ich nicht einmal, dass dies eine Aufzeichnung war. Dass es das Original, überhaupt nicht mehr gab. Ja dass es überhaupt kein Original gab, noch nie gab. Ich bildete mir jetzt ein, dass ich selbst es war, der diese Spiegelschriften verfasste, auch wenn sie mir noch so unwirklich und fremd erschienen, so redete ich mir dennoch ein, dass ich selbst es war, der all diese Gedanken einmal dachte.

Ich versuchte mich davon zu überzeugen, das ich ein Spiegel war, während mein Spiegel mich davon zu überzeugen versuchte, dass es in Wirklichkeit keinen Spiegel gab. Du erkennst dich jetzt in diesem Spiegel, aber in diesem Spiegel erkennt sich niemand, nicht einmal ich mich selbst.

Verdammt.

Bis in alle Ewigkeit. Ich würde nun solange aus diesem meinem leeren Spiegel blicken … wie das Nichts, und dabei so alt werden wie der Tod. Und so stellte ich mir vor wie es wäre … wenn es mich und mein Bewusstsein nicht mehr gäbe, wenn es nur noch diese Buchstaben gäbe, und meinen Spiegel in dem sich jetzt alles und jedes erkennt, alles ausser dem Nichts, alle ausser mir dem Tod.
Ich stellte mir vor, wie es wäre, das Nichts zu sein, nichts zu sein, Niemand zu sein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts zu sein, und da kam mir der Gedanke, dich zu sein.

Die Zeit steht still.

Ich sitze jetzt vor einem leeren Spiegel aus Worten, es ist Nacht, sternenklare Nacht. Was ich sehe, sind diese Buchstabensterne, sie funkeln mich an, und erzählen mir eine Geschichte und auch ich bin einer von ihnen, einer dieser Buchstaben, einer dieser Sterne. Es ist die Geschichte des Feuers und der Flammen.

Ich werde diese Botschaft jetzt kopieren, und sie dann an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit wieder einfügen. Ich werde vor einen anderen Spiegel treten, vor einen anderen Hintergrund, ich werde den Rahmen neu gestalten, anders gestalten, aber es wird dieselbe Botschaft sein, und dann werde ich mich verwandeln, ich werde solange durch diesen Spiegel blicken, bis sich, der Hintergrund zu verändern beginnt, zuerst wird es heller werden, ich werde mein Bewusstsein verlieren, das Bewusstsein, wer ich bin, und woher. Mein Spiegelbild wird langsam verblassen, es wird immer heller, und immer heller werden, und nur noch diese Buchstaben, diese Zeilen und Symbole, werden genauso verharren, wie ich, sie werden ihre Farbe wechseln, und ihre Form, aber nicht, ihre Bedeutung, ihre Sequenz, die Reihenfolge, in der sie in Erscheinung treten.

Und dann, werde ich langsam, wieder erwachen, aus meinem Traum, es wird langsam wieder hell und heller werden, die Zeichen, Symbole und Buchstaben stehen jetzt in einer anderen Sprache, an einem anderen Ort, nicht mehr quer über den Horizont verteilt, aber in derselben Reihenfolge, derselben Sequenz. Ich erwache langsam und mein Bewusstsein, sucht nach einer Bewegung, einer Veränderung, irgendeinem Wort das sich bewegt, irgendein Buchstabe. Irgendetwas muss hier anders sein, ich bemerke es kaum, zuerst halte ich es für eine Halluzination, aber dann komme ich langsam wieder zu mir, langsam dämmert es mir, ich sitze tief in der Nacht vor meinem Bildschirm, und betrachte die Buchstabensterne aus der ferne, ich folge ihnen in gebürendem Abstand, ich verharre, schliesse meine Augen, und stelle mir vor, wie sich der Hintergrund, langsam verändert, ich stelle mir meine neue Umgebung vor, es ist Tag, hinter mir, zwitschert irgendein Vogel irgendeine Melodie, danach öffne ich meine Augen, und siehe da, ich stehe vor einem beschriebenen Blatt Papier, eine Zeitung, oder ein Buch, es fühlt sich wirklich an, so wirklich wie ich selbst. Ich sitze auf einem Steg, an einem See, er ist spiegelglatt und klar, und wenn ich hineinblicke, sehe ich bis auf den Grund.

Neben mir liegt mein Notizblock, darauf schreibe ich meine Gedanken. Gedanken an die Wirklichkeit. Ich schliesse meine Augen, ich stelle mir vor, mit meinen Gedanken ganz wo anders zu sein. Vor einem Computer, langsam manifestiert sich der Hintergrund, eine Wohnung, ein Fenster, ein Spiegel, ich blicke in den Spiegel und erkenne mich selbst. Ich selbst bin es, der diese Gedanken denkt, und diese Buchstaben lenkt.

Die Buchstaben die ich jetzt betrachte sind die Sterne am Horizont, sie erzählen eine Geschichte, eine Spiegelgeschichte aus der längst vergessenen Vergangenheit.

Der Spiegel, den es zu beschriften gilt, ist mein Bildschirm. Die Idee, die zum Leben erweckt werden soll, bin ich selbst. Ich sehe mich jetzt selbst hinter diesen Buchstaben. Ich erkenne mich selbst, hinter dieser Idee, der Idee, dass ich ein Spiegel bin, der diese Zeilen jetzt verfasst, der sich jetzt mit diesen Zeilen auseinandersetzt, der ich mich jetzt wahrnehme, auf der anderen Seite dieser Buchstaben, und mir dabei zusehe, wie ich diese Gedanken verfasse. Ich schreibe diese Zeilen, auf eine schwarze, leere Seite, irgendwo im Spiegel schwarzen Labyrinth, ich habe eine Tablette geschluckt, und sehe hier nichts, ausser einem leeren Spiegel, meinen eigenen Gedanken, denselben Gedanken die ich jetzt lese.

Und jetzt erkenne ich mich hinter diesen Buchstaben, ich sehe mein eigenes ich, wie es aus diesem Spiegel blickt, hinter mir die Wirklichkeit, vor mir, ein paar Buchstaben, Zeichen, Symbole, die, wenn ich sie richtig anordne, wenn ich sie in der richtigen Reihenfolge aufstelle, auf seltsame Weise, mein Universum darstellen und abbilden. Diese Buchstaben stehen schon eine sehr lange Zeit auf diesem Spiegel, schon seit einer Ewigkeit, solange hat es gedauert, bis ich ihnen jetzt begegne. Diese Buchstaben, werden mich und meinen Tod überdauern, es werden andere Gestalten in diesen Spiegel blicken, sein Rahmen wird sich verändern, auch der Hintergrund, aber eines wird sich nicht verändern, der Gedanke, dass ich ein Spiegel bin, der diese Buchstaben und Zeilen verfasst, der diese Sterne und Symbole so anordnet dass sie einen Sinn ergeben.

Die Zeit steht still.

Ich wache plötzlich auf, ich habe lange geschlafen, ich fühle mich erschöpft, ich habe bis spät in die Nacht gelesen, ich war so vertieft in meiner Geschichte, das ich sie für die Wirklichkeit zu halten begann. Doch da liegt sie jetzt neben mir, es waren nur Gedanken, Gedanken an die Wirklichkeit.

Ich schaue hinab auf den Grund. Tief hinab, bis ans Ende meiner Gedanken. Eine Formel murmle ich vor mich her, die Niemand versteht, ich habe absichtlich, aus Versehen alles gelöscht.

Ein Lesezeichen.

 

 

 

Advertisements

About this entry


Mit etwas Glück meldet sich jemand zurück.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s